Amen, Aus und Ende: Die Kapellenbrüder hängen die Kutten an den Nagel
📜 Chronik: 25 Jahre „Kapellenbrüder“ beim Bartl Bockbierfest (2001–2026)
Was 2001 aus einer Bierlaune heraus entstand, wurde zur Kult-Institution im Gasthaus „Zum Bartl“. Seit 25 Jahren blicken die „Drei Kapellenbrüder“ mit einer Mischung aus Witz, Kritik und Tiefgang auf das Geschehen in Sulzbach-Rosenberg.
Mit spitzer Feder schreibt Karl-Heinz Neidl seither das Stammtischgeplauder nieder, in dem er der Stadtführung und lokalen Größen mal ironisch, mal direkt den Spiegel vorhält. Diese Chronik feiert ein Vierteljahrhundert bayerisches Derblecken – von der ersten Stunde bis zum großen Jubiläum im Jahr 2026.
Gründung und die Initialzündung (2001)Die Tradition der „Drei Kapellenbrüder“ beim Bockbierfest im Gasthaus „Zum Bartl“ am Feuerhof wurde im Jahr 2001 aus einer klassischen Bierlaune heraus geboren. Federführend bei der Idee, das Fest aufzupeppen, war Walter Heldrich aus den Reihen der Siedlergemeinschaft. Das Ziel war es, das Geschehen in und um Sulzbach-Rosenberg nicht nur oberflächlich zu kommentieren, sondern satirisch, kritisch und mit Witz zu beleuchten.
Als das Gründungstrio fand sich schnell das Personal: Richard Sperber (Pfarrer), Anton Fenk (Lehrer) und Hans-Jürgen Reitzenstein (Wirt). Von Anfang an stellte sich Karl-Heinz Neidl als unermüdlicher Schreiberling in den Dienst der Kapellenbrüder. Die erste Vorstellung am 10. März 2001 im proppenvollen Gasthaus „Zum Bartl“ war ein voller Erfolg, obwohl man damals nicht ahnte, dass diese kurzfristige Angelegenheit 25 Jahre andauern würde. Die ersten satirischen Angriffe richteten sich unter anderem gegen Bürgermeister Geismann, das Liliencenter und lokale Prominenz wie Hermann Völlger sowie die Geschäftswelt und die große Politik (Stichwort Stoiber als Kanzler).
Die Jahre der Etablierung (2002–2009)In den Folgejahren festigte sich das Format des Abends: Süffiges Bockbier (u. a. Herzog Christian-August-Weiße und Weltenburger Asam-Bock), herzhafte Schmankerl, musikalische Umrahmung (zunächst durch die „Haflinger Musi“) und der bissige Vortrag der Kapellenbrüder, dessen Texte stets von Karl-Heinz Neidl stammten. Der Gastwirt Martin Lotter sorgte für das leibliche Wohl der durstigen Kehlen.
Das Trio nahm lokale Ereignisse, politische Prominenz und die große Politik auf die Schippe.
2002: Die Kapellenbrüder nehmen erstmals die „große Politik“ ins Visier. Musikalische Begleitung durch die „Haflinger Musi“.
2003: Einleitung durch Walter Heldrich mit historischen Anekdoten zur Bierprüfung (Hose klebt an der Bank). Themen: Missgeschicke am 20. Hochzeitstag und Vandalismus zur Weihnachtszeit
2004 kritisierte der Wirt Reitzenstein die Maut als „Milliardenverluste Aufgrund Unfähiger Trottel“ (M.A.U.T.). 2003 wurde ein ernster Ton angeschlagen bezüglich der Zerstörungswut am Bartldreieck. Auch wenn die „Haflinger Musi“ für Lacher sorgte, zeigten die Brüder mit ihren zynischen Dreigesprächen den lokalen Zeitgenossen konsequent den Spiegel vor.
2005: Personelle Premiere: Stefan Ertl springt als „Boder“ (Friseur) für den Lehrer ein.
2006: Wechsel im Pfarrersgewand: Manfred Eckert übernimmt die Rolle von Richard Sperber. Themen u.a.: Die Vogelgrippe und der Papstbesuch in Bayern.
2007 – 2009: Das Trio (Fenk, Eckert, Reitzenstein) festigt seinen Ruf als „Spiegel der Stadtgesellschaft“. Das Feuerhofer Urgestein Otto Kummer ergänzt die Abende regelmäßig mit Witzeinlagen.
Personalwechsel und Konstanten (2005–2011)Im Laufe der Zeit erfuhr das Ensemble einige wichtige Wechsel:
- Pfarrer: Richard Sperber übergab das Amt nach einigen Jahren an Manfred Eckert (2006 belegt). Später übernahm Armin Kraus diese Rolle (2010/2011 belegt).
- Lehrer: Anton Fenk blieb über viele Jahre die Konstante, musste aber zeitweise ersetzt werden. Im Jahr 2005 übernahm Stefan Ertl (bezeichnet als „Frisör“ und „Boder“) kurzzeitig das Lehrerkostüm, bevor Fenk 2006 wieder dabei war.
- Wirt: Hans-Jürgen Reitzenstein legte zeitweise eine Pause ein und wurde einmal durch Armin Kraus (Wirt) vertreten.
Trotz dieser Wechsel blieb Karl-Heinz Neidl mit seiner spitzen Feder über viele Jahre hinweg der Garant für die Inhalte. 2011 traten die drei Vortragenden – nun Armin Kraus als Lehrer, Manfred Eckert als Pfarrer und Hans-Jürgen Reitzenstein als Wirt – zum elften Mal in Folge auf. In dieser Zeit wurde das Format durch die Integration der 2. Sulzbacher Fingerhakelmeisterschaft ergänzt.
Stabile Besetzung und politische Schärfe (2012–2019)Ab etwa 2012 stabilisierte sich die Besetzung, wobei Anton Fenk als Lehrer, Armin Kraus als Pfarrer und Hans-Jürgen Reitzenstein als Wirt die zentrale Achse bildeten, wie in den Jahren 2013, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 dokumentiert.
2012 stand die Bürgermeisterwahl in Sulzbach-Rosenberg im Fokus. 2013 wurde das „Leere Lilien-Center“ (LLC) thematisiert. 2015 blickte das Trio auf demografische Sorgen (150 Geburten/250 Sterbefälle 2014) und mahnte zur Nächstenliebe. Im Jahr 2016 wurde die Flüchtlingsthematik sowie das Vereinssterben aufgegriffen. 2018 wurde der neu gewählte 1. Bürgermeister Michael Göth mit einem dicken Fell bedacht.
2019 markierte das 19. Auftreten des Trios, bei dem Martin Lotter besonders Karl-Heinz Neidl für den hervorragend geschriebenen Vortrag würdigte. Die musikalische Untermalung wechselte ab 2014/2015 von der „Haflinger Musi“ zur „Erlboch Musi“ mit Bernhard Luber.
Das 20. Jubiläum und die Zwangspause (2020–2022)Das Jahr 2020 brachte das 20-jährige Jubiläum der Kapellenbrüder. Lehrer (Fenk), Pfarrer (Kraus) und Wirt (Reitzenstein) beleuchteten kritisch das Liliencenter-Neubauprojekt („Oberpfalz Arkaden“) und den Leerstand in der Stadt.
Die Jahre 2021 und 2022 waren von der Corona-Pandemie geprägt, wodurch das große, traditionelle Fest ausfallen musste.
- 2021: Die Veranstaltung wich auf ein „Bockbierfest ToGo“ am 25. Februar aus (Schaschlikpfanne, Bockbiere von Sperber und Fuchsbeck). Die Kapellenbrüder kamen nicht zum Einsatz, jedoch trug Karl-Heinz Neidl ein Gedicht musikalisch vor.
- 2022: Aufgrund der unklaren Lage veranstaltete der Stammtisch ein „Bockbierfestchen“ am 7. April mit ca. 30 Teilnehmern. Die Kapellenbrüder pausierten. Stattdessen verlas die „rasende Reporterin“ Gudrun Schwindel (deren Nachname kurioserweise auf Neidl endet) regionale Nachrichten mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt, inklusive absurder Meldungen wie Kinder-Bierpong-Turniere und Benzinverkauf in Bierflaschen.
Wiederkehr und Abschied (2023–2026)2023 kehrten die „Drei Kapellenbrüder“ nach zweijähriger Zwangspause unter großem Jubel auf die Bühne zurück. Lehrer (Fenk), Pfarrer (Kraus) und Wirt (Reitzenstein) beleuchteten Themen wie das abgesagte Bierpongturnier, den veganen Leberkäse und den Stillstand der Bahnhofsuhr. Ein besonderer Fokus lag auf Werner Kirschner, dem er mit dem „4-fach Wumms“ vier Vorstandspositionen beim Club Solidarität bescheinigt wurden, wofür ihm vier Hüte überreicht wurden.
Beim Bockbierfest 2024 (23. Auftritt) saß erstmals der zukünftige Bürgermeister Stefan Frank im Publikum und wurde selbst zum Ziel humorvoller Spitzen. Die Brüder kommentierten die historische Abwahl des amtierenden Bürgermeisters Michael Göth nach 12 Jahren und kritisierten lokale Missstände (z. B. Parkplatz Bayreutherstrasse). Die Musik kam von Kilian und Lukas (Akkordeon und Bass) in Vertretung für Bernhard Luber.
Das Jahr 2025 sah die Rückkehr von Bürgermeister Stefan Frank, der sich begeistert zeigte und den Künstlern mit einer Runde Schnaps revanchierte.
Das Finale: 25 Jahre und der Ruhestand (2026)Am Samstag, den 28. Februar 2026, traten die „Drei Kapellenbrüder“ ihr letztes Mal im Gasthaus „Zum Bartl“ auf, womit die 25-jährige Ära ihren Abschluss fand. Das Motto war: „Man soll aufhören, wenn der Bock am besten schmeckt!“
Das finale Dreigestirn bestand aus: Armin Kraus (Pfarrer), Anton Fenk (Lehrer) und Hans-Jürgen Reitzenstein (Wirt). Karl-Heinz Neidl lieferte erneut das fulminante Abschiedsmanuskript.
Der scheidende Bürgermeister Stefan Frank nahm persönlich Abschied. Der Dank galt dem gesamten Ensemble und insbesondere Karl-Heinz Neidl, der seit 2001 die Texte verfasste und damit maßgeblich zum Kultstatus beitrug.
RolleDarsteller (im Zeitverlauf)
Der Pfarrer Richard Sperber → Manfred Eckert → Armin Kraus
Der Lehrer Anton Fenk → Stefan Ertl (als Friseur/Boder) → Armin Kraus
Der Wirt Hans-Jürgen Reitzenstein → Armin Kraus → Hans-Jürgen Reitzenstein
Der AutorKarl-Heinz Neidl (durchgehend seit 25 Jahren)
Wirt Martin Lotter kündigte optimistisch eine neue Ära für das kommende Jahr an, während die Kapellenbrüder ihren wohlverdienten Ruhestand antraten.