Jüdischer Friedhof Sulzbach-RosenbergEiner der ältesten jüdischen Friedhöfe Bayerns – stiller Zeuge von über 350 Jahren jüdischen Lebens in Sulzbach.
Kurzinfo
- Lage: Nördlich der Altstadt bei Etzmannshof, über die Straße „Schießstätte“ erreichbar, in der Nähe des Sportparks. Vom Rathaus über Marktplatz der Schießstätte folgen
- Größe: 2.150 qm / 21,50 ar bzw.
- Errichtung: 1667 genehmigt, 1668 eingeweiht
- Bestand heute: 356 erhaltene Grabsteine
- Status: Geschütztes Baudenkmal
- Adresse: 92237 Sulzbach-Rosenberg
GeschichteNachdem sich 1666 wieder Juden in Sulzbach niederlassen konnten, erteilte Herzog Christian August von Pfalz-Sulzbach 1667 die Erlaubnis zur Anlage eines Friedhofs auf einem Grundstück in der sogenannten „Erzhülle“ bzw. „Erzhölle“.
Der erste Schutzbrief bei der Wiederansiedlung ging am 9. Februar 1666 an Feustel Bloch und seinen Sohn Moses – den Gründer der ersten jüdischen Druckerei in Sulzbach. Feustel Bloch wurde im Mai 1668 als erster auf dem neuen Friedhof bestattet. Für seine Beisetzung gewährte man dem Rabbiner aus Schnaittach und einem Minjan freies Geleit, um das Kaddisch sprechen zu können.
Ende des 17. Jahrhunderts wurde der ursprüngliche Holzzaun, der immer wieder demoliert worden war, durch eine Steinmauer ersetzt.
Ein Friedhof über dem Bergbau
Eine Besonderheit macht den Sulzbacher Friedhof einzigartig in Bayern: Er liegt mitten auf dem ehemaligen Bergbaugelände der Maxhütte. Im 19. und 20. Jahrhundert kam es dadurch immer wieder zu schweren Schäden durch Bodensenkungen und Bergbauarbeiten.
Zeitweise führte sogar eine Drahtseilbahn der Hütte direkt über den Friedhof und störte die Totenruhe erheblich. Um die Haftung zu regeln, wurde 1882 ein Vertrag zwischen der Jüdischen Gemeinde, vertreten durch Vorsteher Samson Morgenthau, und der Maximilianhütte geschlossen: Für jeden durch Bergbau entstandenen Schaden an Friedhof und Einfriedung musste die Maxhütte aufkommen. Nach erneuten Schäden wurde 1992 auf Kosten der Maxhütte eine neue Umfassungsmauer errichtet.
Aufgrund der exponierten, windoffenen Lage sind viele der alten Inschriften durch Verwitterung bis zur Unkenntlichkeit verblasst.
Heutiger ZustandDas Gelände steigt vom Eingangstor – einem Metalltor mit zwei Davidsternen – nach links an. Es gliedert sich in zwei Abteilungen: Links des Tores die neueren, dahinter die älteren Grabsteine.
Die letzte Beerdigung fand 1936 statt. Heute sind noch 356 Grabsteine vorhanden.
Wie viele jüdische Friedhöfe blieb auch Sulzbach nicht von Schändungen verschont. Bereits im 17. Jahrhundert wurde der Zaun zerstört, dokumentiert sind weitere Schändungen 1938 und 1972, als zahlreiche Steine umgeworfen wurden und.
Bedeutung
Der Jüdische Friedhof Sulzbach ist zusammen mit der ehemaligen Synagoge (heute Baudenkmal) das wichtigste steinerne Zeugnis der einst bedeutenden jüdischen Gemeinde Sulzbachs. Sulzbach war im 18. und 19. Jahrhundert ein Zentrum des jüdischen Buchdrucks und jüdischer Gelehrsamkeit – der Friedhof erzählt diese Geschichte bis heute.
Hinweis für Besucher: Der Friedhof ist ein Ort der Ruhe und des Gedenkens. Bitte betreten Sie ihn mit angemessener Kleidung, Männer mit Kopfbedeckung. Das Gelände ist in der Regel verschlossen – der Schlüssel kann bei der Stadt Sulzbach-Rosenberg erfragt werden.