Fast ein zweites Baden-Baden: Der Traum vom Kurort Großalbershof
Der Gesundbrunnen von Großalbershof: Wo Geschichte sprudelt
Fast ein Kurort: Die faszinierende Geschichte von „Bad“ Großalbershof.
Großalbershof, heute ein beschaulicher Stadtteil von Sulzbach-Rosenberg, hütet ein kostbares Geheimnis unter der Erde: die einzige bekannte Heilquelle der Region. Einst der „Place-to-be“ für den Adel, heute ein wiederentdeckter Schatz – die Geschichte des Gesundbrunnens ist eine Chronik von glanzvollen Zeiten, tragischen Zufällen und einer überraschenden Rückkehr.
Heilwasser für die Oberschicht: Der „Spa“ der Oberpfalz
Im 18. Jahrhundert war Großalbershof ein echtes Rittergut mit eigenem Schloss. Als Herzog Theodor Eustach 1726 die Mineralquelle „durch Zufall“ wiederentdeckte, begann die Blütezeit. Das Wasser, ein sogenanntes „Magnesium-Kalzium-Sulfat-Bitterwasser“, wurde von Medizinern damals sogar mit dem weltberühmten Heilwasser aus Spa verglichen.
Wer im 18. Jahrhundert zur feinen Gesellschaft gehörte und zu viel „qualitativ hochstehende Nahrung“ (also herzhaftes bayerisches Essen) genossen hatte, kam zur Kur hierher. Das Wasser linderte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und die Folgen des höfischen Überflusses. Das Schloss wurde kurzerhand zum Kurhaus umfunktioniert, um dem Ansturm der Gäste aus Nürnberg und Regensburg gerecht zu werden.
Vom Schicksal verschüttet: Eisenbahn statt Baden-Baden
Warum ist Großalbershof heute kein weltbekannter Kurort? Die Geschichte nahm einige dramatische Wendungen:
- Kriegswirren: 1796 zerstörten französische Revolutionstruppen das Schloss.
- Der Todesstoß durch den Fortschritt: Beim Bau der Eisenbahnstrecke Nürnberg–Regensburg (1872/73) wurde die Heilquelle bei Erdarbeiten schlichtweg verschüttet. Der Traum vom mondänen Kurbad verlief buchstäblich im Sande.
- Heilwasser für Fische: Jahrzehntelang floss das kostbare Nass ungenutzt in ein Kalksteinbecken am Bahndamm, um Fischteiche zu speisen. Die Forellen dort dürften wohl die gesündesten der Oberpfalz gewesen sein.
Die Wiederentdeckung: Ein zertifiziertes Wunder
Nachdem die Quelle lange Zeit nur noch eine Legende unter den Füßen der Wanderer war, weckte der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ im Jahr 2016 neuen Ehrgeiz. Die Dorfgemeinschaft machte sich auf die Suche – mit Erfolg!
Offizielle Gutachten aus den Jahren 2018 und 2019 bestätigen schwarz auf weiß: Das wertvolle Kulturgut existiert noch und darf offiziell das Prädikat „Heilwasser“ tragen. Die Analyse ergab eine einzigartige Zusammensetzung mit einem Salzgehalt ähnlich der Ostsee. Es ist heute wie damals hochwirksam bei:
- Magen-Darm-Erkrankungen (als Trinkkur)
- Osteoporose und Rheuma
- Nachbehandlung von Gelenkoperationen
Blick in die Zukunft
Heute liegen die archäologischen Befunde des alten Schlosses und die historische Quelle zwar noch weitgehend im Verborgenen, doch der Stolz der Großalbershofer ist zurück. Ob am Paneuropa-Radweg bald eine Infotafel Radler zur Rast am Heilwasser einlädt oder ob der Ort doch noch den offiziellen Titel „Bad Großalbershof“ anstrebt – die Quelle sprudelt weiter.
Die Chronik auf einen Blick
Jahr Ereignis
1582 Erste Erwähnung der Badstube
1726 Wiederentdeckung durch Pfalzgraf Theodor Eustach1771 Große Heilerfolge und Schloss-Ausbau zum Kurhaus
1796 Zerstörung des Schlosses durch Napoleons Soldaten
1872 Verschüttung der Quelle durch den Bahnbau
2016 Erneute Suche durch die Dorfgemeinschaft
2019 Offizielle Anerkennung als Heilwasser